EKB Oldies – Filderstadtreise Kapitel 4: Ulis Betonorgie

EKB Oldies – Filderstadtreise Kapitel 4: Ulis Betonorgie
EK Bernhausen EKB Oldies – CVJM Walddorfhäslach 2
22. November 2025
Eigentlich sollte das vierte Saisonspiel in Plattenhardt stattfinden, 17:30 Uhr, die Halle vorbereitet, das Harz angerührt, die Oldies mental eingestellt. Doch dann passierte das, was im Leben der EKB Oldies gelegentlich vorkommt: Man organisiert alles perfekt – und plötzlich tauchen irgendwo Basketballer auf. Und die hatten Heimspieltag. Doppelbelegung. Chaos. Schlüsselgewalt. Lange Rede, kurzer Sinn: Es ging zurück nach Harthausen. Quasi unser Zweitwohnsitz.
Vielleicht war es diese kurzfristige Verlegung, vielleicht waren es Funklöcher in Filderstadt, vielleicht ist es aber auch einfach unser Oldie-Konzept. Beim Aufwärmen fehlten Jonas und Bene. Zwei zentrale Figuren, zwei Säulen unserer Abwehr und zugleich zwei Männer, die jederzeit bereit sind zu bruddeln und zu meckern wie ein schwäbisches Rentnerfrühstück. Wenigstens schaffte es Bene exakt mit Anpfiff in die Halle und begann sofort sein Standardritual: reinlaufen, rauslaufen, Angriff-Abwehr-Wechsel im Akkord. Die ersten zehn Minuten wurden also zum persönlichen YMCA-Aufwärmprogramm.
Acht Minuten später stürmte auch Jonas herein, voller Energie und ebenso voller Bereitschaft und Tatendrang, jederzeit impulsiv zu werden. Kaum stand er auf dem Feld, griff er auch schon zu. Es war also wieder angerichtet.
Was sich bis dahin auf dem Feld ereignet hatte, war ein Filderstädter Mysterium. Uli, inspiriert von seinen knapp zehn Minuten Einsatzzeit im letzten Spiel und einem Torschnitt, der knapp an Handballphysik und göttlicher Intervention vorbeischrammt, wollte seine eigene Marke unterbieten. Gerüchten zufolge bekommt er für jedes Tor einen Kubikmeter Beton, was erklären würde, warum wir statistisch gesehen langsam eine kleinere Mauerstadt bauen könnten.
Nach nur sieben Minuten stand es 8:0. Und Uli hatte bereits fünf Tore. Ja, fünf. In sieben Minuten. Wir wissen es auch nicht genau, aber manchmal wirkte es, als hätte er ein eigenes Abonnement beim Torewerfen abgeschlossen.
Hinter ihm rührten wir wie gewohnt Beton. Alles, was die Walddorfer nicht schon beim Anlaufen und im Passspiel verloren, prallte an unserer Abwehr ab oder wurde von Musai entschärft, der die ersten fünfzehn Minuten im Zen-Zustand verbrachte. Wahrscheinlich hätte er in der Zeit auch eine Steuererklärung sortieren können. So viel Ruhe war selten.
Unsere größten und lautstärksten Fans waren gestern sicherlich die Unterstützer vom TSV Harthausen Fußball. Ein paar Bier – und schon wurde Stimmung gemacht, die an den A-Block in Stuttgart oder die Szene W aus Walddorf in ihren besten Zeiten erinnerte. Ulis Leistung wurde in eigens auf ihn gedichteten Liedern zelebriert und das Spiel nahm weiter Fahrt auf. Danke an die Harthäuser Jungs!
Die Halbzeitbilanz klang wie ein Druckfehler: Uli zwölf Tore, Mannschaft neunundzwanzig. Führung: zwanzig Tore. Es war unsere beste Halbzeit seit Erfindung des Harzes. Wäre da nicht unser Siebenmeterthema gewesen. Zu Beginn scheiterte Tobi. Dann Jonas. Dann Albrecht – letzterer immerhin nach zwei Treffern, was man ihm lassen muss. Aber grundsätzlich war die Bilanz eher mau.
Und dann stand noch der ungewöhnlichste Fakt des gestrigen Abends im Raum: Tobi erzielte im ganzen Spiel nur zwei Tore. Zwei. Das hat uns ehrlich verwirrt. Wir wussten nicht, ob er vielleicht Fieber hat, ob ein Double auf dem Feld war und er im Publikum saß oder ob er einfach beschlossen hat, das Torewerfen heute anderen zu überlassen. Wir arbeiten noch an der Aufklärung.
In Halbzeit zwei folgte eine Phase, die man im Fachjargon als „kreative Pause“ bezeichnet. Andere würden sagen: Wir hatten zwar zehn Minuten Halbzeitansprache, aber eigentlich hatten wir keine. Unsere Aufstellung war – freundlich formuliert – abenteuerlich. Angriff-Abwehr-Wechsel wurden zu Dauerläufen, die Abwehr war unsortiert und unkonzentriert, und die Walddorfer, nun mutiger, fanden besser ins Spiel. Auch unsere Keeper hatten weniger Gelegenheit für Glanzparaden, weil vor ihnen plötzlich nicht mehr genug Beton stand.
Nach unserem neununddreißigsten Tor geschah dann das Unglaubliche: sechs Minuten lang kein einziges Tor. Wir betonen ausdrücklich, dass das nichts damit zu tun hatte, dass das vierzigste Tor traditionell einen Kasten kostet. Nein, nein. Es lief einfach nicht. Bis Martin der Geduldsfaden riss. Sein einziger Wurf des Abends: ein Tor, ein Kasten. Manchmal sind die Dinge so simpel.
Am Ende des Spiels das gut von den beiden Köngener Schiedsrichtern geleitet wurde standen dreiundfünfzig Tore des Teams, zwanzig Tore von Uli und zwei Tore von Tobi. Die statistische Vielfalt des Abends könnte kaum schöner sein. Dazu kam unser altersbereinigter Sonderwert: Die Differenz zwischen unserer Mannschaft und der der Gegner lag im Schnitt bei siebzehn Jahren. Siebzehn! Das erklärt vieles. Vor allem die Geschichten im Rückenbereich heute Morgen.
Und dann war da noch das Familienduell: Albrecht gegen die jüngere Wandel-Generation. Seine Neffen Ruben und Joel. Zwei flotte Jugendspieler – mutig, talentiert, hochmotiviert. Doch Albrecht zeigte ihnen eindrucksvoll, wer in der Familie die Hosen anhat – oder wie man bei Wandels sagen würde: Er zeigte ihnen, wo der Barthel den Moschd holt und wer an Weihnachten das erste Päckle beim Familienfeschdle auspacken darf. Erfahrung schlägt Jugend. Zumindest gestern.
Nächste Woche geht es zu unseren alten Freunden nach Enzweihingen. Vielleicht finden wir dort endlich Gegner unserer Altersklasse. Zumindest hoffen wir das. Sonst müssen wir bald einen zweiten Physio engagieren.
Es spielten:
Musai, Oli – Samy (10), Jonas (6), Philipp (2), Tobi (2), Albrecht (4), Stecker, Bene, Martin (1), Ulrich (20), Stefan (4), Steffen (2), Jo (2)
Coach: Chrissi (der offenbar wirklich nur noch in absoluten Notfällen nach dem Aufwärmen eingreifen möchte)
Fotos: Sebastian Straub






