Kapitel 5 – Heavy Metal, Altersheim & der kleinste Duschraum der Welt

Männer 3 (EKB Oldies)

Kapitel 5 – Heavy Metal, Altersheim & der kleinste Duschraum der Welt

CVJM EnzweihingenEK Bernhausen EKB Oldies –CVJM Enzweihingen CVJM Enzweihingen

29. November 2025

Kapitel 5 – Heavy Metal, Altersheim & der kleinste Duschraum der Welt

Unser fünftes Saisonspiel führte uns nach Enzweihingen, und schon vor dem Anpfiff war klar, dass etwas anders werden würde: Uli, unser 20-Tore-Mann aus der Vorwoche, hatte uns für ein Abendessen mit Anzugsträgern sitzen lassen. Die Enttäuschung war groß, außer bei Jonas, der die Gelegenheit sofort roch: 60 Minuten Einsatzzeit! Einziger Haken: die Hoffnung, dass er diese 60 Minuten ohne Zeitstrafe überstehen könnte, was für uns ungefähr so wahrscheinlich war wie ein Vierkampf bei Fruchtsäfte Briem, bei dem nicht Oli am Ende oben auf dem Siegertreppchen steht. Doch Jonas packte die Chance tatsächlich beim Schopf und schaffte das Unfassbare: 60 Minuten auf der Platte, kein einziges Mal zwei Minuten. Schiedsrichtertechnisch rätselhaft, sporthistorisch einmalig.

Bereits beim Warmmachen wurden wir von einer wahren Heavy-Metal-Wand begrüßt. Chrissi hatte höflich um etwas Klassisches, unserem Alter Entsprechendes wie Mozart oder Beethoven gebeten, doch die Veranstalter lachten nur und verwiesen auf das abendliche Metalfestival. Die Musik wurde daraufhin weder leiser noch sanfter, und Torwartlegende Sebastian M. nutzte die Gelegenheit für ein bemerkenswertes Headbanging-Warmup. Seine Leistung in der ersten Halbzeit ließ vermuten, dass Headbanging offenbar gut für die Reaktionsschnelligkeit ist, denn er hielt nahezu alles.

Dann kam der Moment, der uns in seiner Frechheit und Klarheit nahezu zum Verstummen brachte: Der heimische Sekretär fragte uns völlig ernst direkt vor dem Anpfiff, ob wir ein Ausflug aus dem Altenheim seien. Man hätte daraus Motivation ziehen können, tat man aber komischerweise nicht. Lediglich Oli fühlte sich möglicherweise kurz angesprochen, was insofern bemerkenswert war, weil wir ihn tatsächlich vorher am Feinsbach abgeholt hatten. Er dankte es uns mit einer bockstarken Leistung, hielt anfangs überragend und war der Hauptgrund, warum wir uns trotz vieler Fahrkarten im Angriff über 4:1 und 8:4 zu einer recht komfortablen, aber wenig überzeugenden 17:10-Halbzeitführung schleppten.

Vorne lief es nämlich gar nicht. Unser sonst kreativer und trickreicher Spielmacher Martin, der im Normalfall irgendwo zwischen Jackson Richardson und dem lokalen Straßenzauberer rangiert, erwischte eher den Modus „DHB-Bundestrainer“: Also nichts von Zaubern, viel von Verzweifeln. Selbst sein legendäres „Hey Jungs!“ zeigte keinerlei Wirkung, und auch unsere Außen ließen Abschlussglück komplett vermissen. Zufrieden war in dieser Phase eigentlich niemand, und danken konnten wir höchstens unserem Kreisläufertrio Bene, Samy und Jonas, die sowohl vorne als auch hinten hellwach waren, sowie unseren einzigen drei Fans – Musais Mädels, Altersdurchschnitt 4,3 Jahre, aber Stimmung wie Ultras.

Die Halbzeitansprache fiel so minimalistisch wie effektiv aus: „Hey Jungs!“, aber diese zwei Worte reichten, um den Start der zweiten Hälfte deutlich schwungvoller zu gestalten. Wir zogen das Ergebnis rasch auf 21:7, spielten konzentrierter und strukturierter, nur der Abschluss blieb unser ungelöstes Problem. Besonders sehenswert war, wie Jonas den guten und körperlich beeindruckenden Halblinks-Gegenspieler (Körper-Kategorie Champions League) der Enzweihinger erst weich kochte und Bene ihn in der zweiten Halbzeit dann endgültig abkochte – eine Szene wie aus einem Handball-Kochbuch: „Halblinks-Kälbchen in zwei Gängen“.

Enzweihingen spielte unterdessen phasenweise unkonventionell, aber gut und geduldig, offenbar beeinflusst von der Handschrift der alten Vereinslegende Simon Hees. Ganz ungefährdet war es deshalb nicht, doch wir brachten den Sieg letztlich solide heim. Zufrieden war trotzdem kaum jemand. Die Stimmung scheinte sich dann jedoch zu drehen, wir planten eine Duschparty. Diese Euphorie wurde jedoch durch die Architektur der Enzweihinger Halle erstickt, denn die Dusche war so klein, dass wir uns fragten, ob der Architekt bei der Planung im Schrank (oder in der mickrigen Halle) stand. Endgültig wurde der Feierlaune der Stecker gezogen, als ein Spieler, dessen Name hier nicht genannt werden soll, sein Altersheim-Shampoo zückte und der Duft die Mannschaft fluchtartig aus dem Raum trieb.

So machten wir uns auf den Heimweg zurück auf die ferne Filderebene, damit Oli rechtzeitig vor Zapfenstreich wieder am Feinsbach abgeliefert werden konnte und der Rest von den wartenden Ehefrauen die wohlverdiente Rückenmassage bekommen würde – nicht. Ein echtes Highlight des Tages, das in jedem Fall noch Erwähnung finden sollte, war die 100%ige Siebenmeterquote von Albrecht und unser Debütant David aus der A-Jugend, der sein Talent mehrfach aufblitzen ließ und mit einem herrlichen Wurf von Außen unter die Latte einen der schönsten Treffer des Spiels erzielte. Gemeinsam mit unserem allerältesten Oldie sorgte er also für die wenigen echten Glanzmomente eines ansonsten eher zähen Auswärtserfolges und einen noch nie da gewesenen Altersunterschied von sage und schreibe 40 Jahren zweier Spieler.

Es spielten: Musai, Oli – Samy (8), Jonas (8), David (1), Tobi (4), Albrecht (6), Stecker (3), Bene (1), Martin (4), Stefan (2), Steffen, Jo (1)

Coach: Chrissy Alber, der selbst dann nicht eingreifen wollte, als sein Namensvetter eine ausgewachsene Durststrecke hatte und man ihn eigentlich dringend als Stefan Lövgren gebraucht hätte.

Unser Hinrundenfazit fällt jedoch natürlich positiv aus: 5 Spiele, nahezu +100 Tore und 10:0 Punkte. So macht Handball Spaß und wir hoffen, in den 9 Spielen nach Weihnachten an unsere Leistung anzuknüpfen und Chrissy wenigstens einmal aufs Spielfeld zu bringen.

Hinrundenbilanz:
Musai, Oli – Uli (36), Tobi (160 Euro), Samy (29), Martin (27), Jonas (27), Albrecht (17), Stecker (11), Stefan (10), Simon (6), Philipp (6), Steffen (4), Jo (4), Bene (3), David (1), Freddy (1)